Weltmacht setzt sich gegen Buren durch
Vereeniging, Samstag, 31. Mai 1902
England, das auf der Höhe seiner kolonialen Macht steht, besiegt in einem jahrelangen Krieg den Oranjefreistaat und die Südafrikanische Republik (Transvaal). Beide Burenrepubliken werden britische Kronkolonien. London sichert sich damit u.a. wichtige Rohstoffvorräte.
Die britischen Oberkommandierenden Horatio Herbert Lord Kitchener und Alfred Lord Milner sowie führende Regierungsvertreter des Oranjefreistaates und der Südafrikanischen Republik unterzeichnen einen Friedensvertrag. Darin verzichten die Burenrepubliken auf ihre Unabhängigkeit und erkennen die Herrschaft Großbritanniens an.
Die Friedensbedingungen lassen den Buren, Nachkommen der seit 1652 eingewanderten niederländischen und deutschen Siedler, jedoch die Möglichkeit zur Bewahrung der eigenen Identität sowie die Hoffnung auf staatliche Unabhängigkeit in naher Zukunft. Rechte für die schwarze Bevölkerungsmehrheit am Kap bleiben ausgeklammert. Auf britischer Seite hatten 450 000 Mann, davon 250 000 reguläre Soldaten, 109 000 britische Freiwillige, 53 000 südafrikanische Kolonialisten, 31 000 Kanadier, Australier und Neuseeländer gekämpft. Ihnen standen auf burischer Seite 88 000 Mann gegenüber.
Vordergründige Ursache für den Ausbruch der Kämpfe war die Forderung der britischen Kolonialmacht am Kap, den »uitlanders«, weißen Ausländern in den Burenrepubliken, das Wahlrecht einzuräumen. Nach Vermittlungsversuchen versprach Transvaal den Forderungen nachzugeben, wenn London auf eine weitere Einmischung in die inneren Angelegenheiten verzichten würde. London lehnte ab.
Hintergrund des Konflikts waren das u.a. von Cecil Rhodes, Premierminister der Kapkolonie von 1890 bis 1896, formulierte Ziel eines britischen Kolonialreichs vom »Kap bis Kairo« sowie die umfangreichen Diamanten- und Goldvorräte auf dem Gebiet der Südafrikanischen Republik und des Oranjefreistaats. Rhodes, der durch den Erwerb von Diamantenfeldern zu großem Einfluss gekommen war, hatte bereits einen missglückten Putschversuch gegen die Transvaal-Regierung unterstützt und daraufhin sein Amt räumen müssen.
Bei Ausbruch des Kriegs, den die Buren nach dem ersten Krieg gegen die Briten 1880/81 als zweiten Freiheitskampf betrachteten, sahen sich die in Buschkriegen erprobten Buren zunächst im Vorteil. Nachdem die Kolonialmacht ihre Kontingente aufgestockt und die besten Heerführer an die Südspitze Afrikas geschickt hatte, nahm der Krieg eine Wende. 1900 wurden die Hauptstädte der Burenrepubliken erobert.
Krieg gegen England
Den schnellen militärischen Erfolgen der britischen Truppen folgte ein zäher Guerillakrieg der Buren.
Nach dem Ausbruch der Kämpfe 1899 und der Besetzung der Burenrepubliken Oranjefreistaat und Südafrikanische Republik (Transvaal) sahen die Briten den Krieg 1900 schon als beendet an. Doch die unterlegenen Buren begannen einen Guerillakrieg, den die Briten mit Strafexpeditionen gegen burische Familien beantworteten. Farmen und Felder wurden niedergebrannt, Ernten vernichtet, Frauen und Kinder interniert. 1902 saßen 100 000 burische Frauen und Kinder in Lagern, 30 000 Männer waren in Kriegsgefangenschaft, 6000 Buren und 22 000 Briten gefallen.
1902 trat ein Volksrat beider Burenrepubliken zusammen, um über Friedensbedingungen und damit über die Preisgabe ihrer Unabhängigkeit zu entscheiden. Mit 56 gegen vier Stimmen sprach er sich für einen Friedensschluss aus.