Was war im Jahr Anno 1920
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Alkoholverbote gegen »Unmoral«
USA, Freitag, 16. Januar 1920
In den USA beginnt die Zeit derProhibition.
Schmuggler und kriminelle Banden übernehmen den lukrativen Alkoholhandel.
Der 18. Verfassungszusatz über die Prohibition tritt in den USA in Kraft. Er verbietet Alkoholherstellung, -handel und -konsum. Das strenge Verbot bezieht sich auf alle Getränke mit mehr als 0,5% Alkoholgehalt. Aufgrund des 1919 erlassenen Ausführungsgesetzes (Volstead-Gesetz) sind die Bundesbehörden zur strafrechtlichen Verfolgung befugt.
Treibende Kräfte für die Prohibition sind hauptsächlich puritanisch-protestantische Kreise im »Bibel-Distrikt« genannten ländlichen Süden der USA. Mit dem allgemeinen Alkoholverbot glauben seine kleinstädtischen und ländlichen Befürworter, dem vermeintlich unmoralischen modernen Lebenswandel in den Großstädten Einhalt gebieten zu können.
Gangsterbanden, deren Einfluss in der Prohibitionszeit stetig steigt, übernehmen den Handel mit alkoholischen Getränken. Erste Gangsterimperien, wie das des Al Capone in Chicago, entstehen.
Besonders in den Städten wird keineswegs auf Alkohol verzichtet. Gerade die Illegalität macht das Trinken zum Abenteuer. Selbst junge Frauen sind in getarnten Kneipen (»Speakeasies«) anzutreffen. Viele beginnen mit Schwarzbrennerei.
Durststrecke
Erst am 5. Dezember 1933 um 17.32 Uhr haben die Freunde von Bier und Spirituosen in den USA wieder Grund zum Feiern: Als 36. Staat billigt Utah den 21. Zusatz zur Bundesverfassung, der die verfassungsändernde Mehrheit erhält. Das Alkoholverbot ist damit wieder aufgehoben. US-Präsident Franklin D. Roosevelt, nach dessen Meinung die Prohibition nur das Verbrechertum förderte, hat maßgeblichen Anteil an der Aufhebung des Alkoholverbots.
Das Ende des Osmanischen Reichs
Sèvres, Dienstag, 10. August 1920
Die Türkei, die 1914 auf Seiten der Mittelmächte Deutsches Reich und Österreich-Ungarn in den Krieg eingetreten war, verliert neun Zehntel ihres Staatsgebiets.Im Pariser Vorort Sèvres unterzeichnen die türkische Regierung von Sultan Muhammad VI. und die Alliierten einen Friedensvertrag, der u.a. umfangreiche Gebietsverluste zur Folge hat.
Darüber hinaus muss die Türkei auch Einschränkungen ihrer Souveränität hinnehmen. So verliert das Land seine Finanzhoheit und muss das Heer auf eine Stärke von 50 000 Mann reduzieren. Zudem wird die Türkei in alliierte Interessensphären aufgeteilt. Die interne Opposition gegen den als alliiertenhörig geltenden Sultan ist jedoch so stark, dass der Vertrag von Sèvres vom Parlament nicht ratifiziert wird und sich eine Opposition bildet.
Unter der Führung von
Mustafa Kemal Pascha (später Kemal Atatürk)
bildet sie in Ankara eine Gegenregierung, die 1922 die von den Alliierten unterstützten griechischen Invasionstruppen zurückschlägt. Im Friedensvertrag von Lausanne 1923 erkennen die Alliierten die Souveränität der Türkei, die im gleichen Jahr Republik wird, an.
Olympia ohne Fünf
Antwerpen, Samstag, 14. August 1920
Die im Ersten Weltkrieg besiegten Staaten Deutsches Reich, Österreich, Ungarn, Bulgarien und die Türkei dürfen nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen.Die VII. Olympischen Spiele werden eröffnet. An den 156 Wettbewerben in 21 Sportarten nehmen rd. 2600 Sportler aus 29 Nationen teil.
Unerwartet erfolgreich schneiden die finnischen Athleten mit 14 Goldmedaillen ab. Aufsehen erregt vor allem der 23-jährige
Paavo Nurmi
mit drei Siegen. Er gewinnt den 10 000-m-Lauf und den Querfeldeinlauf (rd. 8000 m) in der Einzelwertung sowie zusammen mit der finnischen Mannschaft.
Im Schwimmen unterstreichen US-Sportler ihre herausragende Stellung. Insgesamt werden die USA die erfolgreichste Mannschaft. Star unter den Sportlerinnen wird die Tennisspielerin Suzanne Lenglen aus Frankreich.
»Wunder an der Weichsel«
Warschau, Montag, 16. August 1920
Das »Wunder an der Weichsel« bewirkt die Wende im Krieg zwischen Russland und Polen, der nicht zum Ziel eines Großpolens führt.Der Vorstoß der polnischen Truppe zielt auf die Flanke der Roten Armee zwischen Weichsel und Bug. In der Schlacht um Warschau werden die sowjetrussischen Truppen zurückgedrängt oder zum Übertritt auf ostpreußisches Gebiet gezwungen. Damit verändert sich die militärische Lage zu Gunsten Polens.
Mit dem Abschluss des Vorfriedens von Riga am 12. Oktober wird der Krieg zwischen Polen und Sowjetrussland beendet. Die polnische Delegation macht entgegen den Zielen von Staatschef Józef Klemens Pilsudski weitreichende Zugeständnisse. Eine Verwirklichung des von Pilsudski angestrebten Großpolens, wie es vor der sog. Ersten polnischen Teilung 1772 bestand, ist allerdings nicht mehr möglich.
Der Krieg begann am 26. April mit einer erfolgreichen Offensive Polens gegen die Ukraine. Seit Juni wendete sich der Kriegsverlauf.
Wende im Krieg
Durch einen polnischen Vorstoß werden im Raum zwischen Weichsel und Bug die sowjetrussischen Truppen entscheidend zurückgedrängt. Der von Josef Klemens Pilsudski und Generalstabschef Tadeusz Rozwadowski geführte Angriff geht als »Wunder an der Weichsel« in die Geschichte ein.
Premiere für Salzburger Festspiele
Salzburg, Sonntag, 22. August 1920
Die neu gegründeten Festspiele etablieren sich rasch als kulturelles Großereignis mit renommierten Künstlern.Zum ersten Mal finden die Salzburger Festspiele mit einer Aufführung des religiösen Mysterienspiels
»Jedermann«
von Hugo von Hofmannsthal statt.
In der Regie von Max Reinhardt spielen auf dem Salzburger Domplatz u.a. Alexander Moissi (in der Rolle des Jedermann), Werner Krauss, Heinrich George, Hedwig Bleibtreu und Helene Thimig. Die musikalische Leitung hat der österreichische Dirigent Bernhard Paumgartner. Neben den vier offiziellen Vorstellungen gibt es am 27. und 29. August zwei Zusatzaufführungen. Für Eintrittskarten wird auf dem Schwarzmarkt das Zehnfache des Originalpreises bezahlt.
Die Vorstellungen hinterlassen tiefen Eindruck, auch weil der Dom und umliegende Türme in das Spiel einbezogen werden. Initiatoren der Salzburger Festspiele sind u.a. der österreichische Theaterkritiker Hermann Bahr, der Komponist Richard Strauss sowie Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt selbst, der 1893 seine Theaterlaufbahn am Salzburger Stadttheater begann. Im Juni 1917 wurde in Wien die sog. Salzburger-Festspielhausgemeinde gegründet. Eine Generalversammlung beauftragte am 15. April 1918 Reinhardt, Strauss und den Dirigenten Franz Schalk mit der Vorbereitung der Festspiele in Salzburg.
Expressionismus im Film
Berlin, Freitag, 29. Oktober 1920
»Der Golem, wie er in die Welt kam« und »Das Cabinet des Dr. Caligari«
leiten u.a. mit ihrem besonderen Dekor die expressionistische Phase des deutschen Films ein.
Im Ufa-Palast feiert der nach Projekten aus den Jahren 1914 und 1917 dritte »Golem«-Film von Paul Wegener Premiere.
In dem Film, der im Prag des 16. Jahrhunderts spielt, wird die jüdische Legende vom Golem erzählt, einem Geschöpf aus Lehm, dem kabbalistische Magie Leben einhaucht.
Berühmt wird die von dem deutschen expressionistischen Architekten Hans Poelzig geschaffene Filmkulisse – eine aus Lehm geformte Ghettostadt mit fließenden Linien. Seine Bauten, die das mittelalterliche Prag mit windschiefen Häuschen, bizarren Dächern und engen Gassen wiedererstehen lassen, unterstützen die von dem Film in suggestiven Bildern heraufbeschworene unheilvolle Atmosphäre. Poelzig schafft mit seiner ganz besonderen Architektur eine Szenerie, die in vielen anderen expressionistischen Filmen deutscher Regisseure wiederkehrt.
Am 27. Februar wurde der expressionistisch-phantastische Film »Das Cabinet des Dr. Caligari« in Berlin uraufgeführt. Wie der »Golem« erlangt er Weltruhm. Die Wirkung beruht nicht zuletzt auf der expressionistischen Ausstattung von Architekt Hermann Warm sowie den Malern Walter Reimann und Walter Röhrig.
Großer Sieg der Republikaner in den USA
Washington, Dienstag, 2. November 1920
Mit dem Sieg von Warren G. Harding im Präsidentschaftswahlkampf beginnt in den USA eine Phase republikanischer Vorherrschaft.
390 Wahlmänner stimmen für den 1865 in Caledonia (jetzt US-Bundesstaat Ohio) geborenen Harding. Nur 140 votieren für den Gegenkandidaten der Demokratischen Partei, den Gouverneur von Ohio, James M. Cox. Neuer Vizepräsident wird der Gouverneur von Massachusetts, Calvin Coolidge.
Harding wird von den US-Amerikanern mit dem größten Stimmenvorsprung seit 100 Jahren in das Präsidentenamt gewählt. Gleichzeitig wird ein Teil des Senats sowie das Repräsentantenhaus gewählt. In beiden Häusern verzeichnen die Republikaner deutliche Stimmengewinne. Im Senat sitzen 57 Republikanern 39 Demokraten gegenüber. Im Repräsentantenhaus halten die Republikaner 293 Sitze, die Demokraten 138.
Die Wahl von Harding ist vor allem eine Wahl gegen den seit 1913 amtierenden Woodrow Wilson und dessen Politik. Amerika, so betont Harding in einer Rede in Boston, brauche jetzt »nicht noch mehr Helden, sondern Heilung; keine Patentrezepte, sondern Ruhe und normale Zeiten«. In seiner Antrittsrede am 4. März 1921 verkündet Harding noch einmal das neue Ideal des nationalen Egoismus, an dem sich die US-amerikanische Außenpolitik künftig orientieren soll: »Im Vertrauen auf unsere Fähigkeit, unser Schicksal selbst zu gestalten, und eifersüchtig über unser Recht dazu wachend, suchen wir keinen Anteil an der Bestimmung der Geschicke der Alten Welt. Wir haben nicht die Absicht, uns hineinziehen zu lassen. Wir werden keine Verantwortlichkeit übernehmen, außer in jedem einzelnen Fall, wo unser eigenes Gewissen und Urteil uns dazu veranlassen.«
Mit seinem Amtsantritt beginnt eine Periode der republikanischen Vorherrschaft, die erst mit der Präsidentschaft des Demokraten Franklin Delano Roosevelt 1933 endet. Harding selbst stirbt bereits am 2. August 1923. Seine kurze Amtszeit ist nicht zuletzt gekennzeichnet durch zahlreiche Bestechungsskandale in der Regierung.
Isolationismus
»Zurück zur Normalität« lautet Hardings Motto. Für die Mehrheit der Amerikaner bedeutet dies eine Rückkehr zu den Verhältnissen vor dem Weltkrieg, der 126 000 US-Amerikaner das Leben kostete. Vielen erschien die Verwicklung der USA in internationale Angelegenheiten und die Übernahme internationaler Verpflichtungen als Ursache gravierender, auch innenpolitischer Probleme. In der Innen- und Wirtschaftspolitik sollen die Folgen des Weltkriegs rückgängig gemacht werden. Die Republikaner wenden sich gegen den Einfluss des Staates auf die Wirtschaft.
Trotzkis Armee siegt im Bürgerkrieg
Ukraine, Donnerstag, 11. November 1920
Mit dem endgültigen Sieg der sowjetrussischen Roten Armee endet der russische Bürgerkrieg.
Um einer drohenden Niederlage gegen die sowjetische Rote Armee zuvorzukommen, ordnet der Führer der am Asowschen Meer operierenden Weißgardisten, General Pjotr N. Baron von Wrangel, die Evakuierung seiner Truppen an. Insgesamt sind an der Aktion 126 Schiffe beteiligt, die 145 693 Personen in Sicherheit bringen.
Mit der Flucht der letzten noch in Russland stehenden »weißen« Truppen ist der seit 1918 tobende Bürgerkrieg zwischen Roter Armee und den antibolschewistischen Einheiten beendet.
Zuvor hatte Wrangel, der im Frühjahr als Nachfolger von Anton I. Denikin das Kommando über die Weißgardisten übernommen hatte, im Sommer von der Krim aus eine neue Offensive begonnen. Nach einigen Geländegewinnen, begünstigt durch die Bindung der Roten Armee im polnisch-russischen Krieg, wurden die weißen Truppen jedoch nach dessen Ende wieder zurückgeworfen und müssen per Schiff über das Schwarze Meer nach Konstantinopel fliehen.
Neben militärischer Schwäche gilt auch das Fehlen eines konstruktiven sozialen und politischen Programms als Ursache für die Niederlage der Weißgardisten im russischen Bürgerkrieg.
Rot gegen Weiß
Die Auflösung des alten Zarenreichs nach der Oktoberrevolution 1917 benutzten die Gegner der Bolschewisten, um im Bund mit den Ententemächten zur Gegenrevolution zu schreiten. Zwischen »Roten« (Bolschewiki) und »Weißen« (Monarchisten und Konterrevolutionären) tobte seitdem ein heftiger Bürgerkrieg.
Kapp-Putsch und Ruhraufstand
Freitag, 31. Dezember 1920
Für viele nicht unerwartet kommt der Staatsstreich von rechts. Zu groß ist im konservativen Bürgertum die Unzufriedenheit mit den neuen republikanischen Verhältnissen im Deutschen Reich.
Kapp-Putsch: Mit dem Einmarsch der Marinebrigade Ehrhardt in das Berliner Regierungsviertel beginnt am 13. März ein Putsch rechtsradikaler Politiker und Militärs gegen die Reichsregierung und die noch junge Republik. Der Politiker und Jurist Wolfgang Kapp ruft sich zum Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten aus. Reichswehrminister und Oberbefehlshaber der Reichswehr wird General Walther Freiherr von Lüttwitz. Die verfassungsmäßige Regierung und Reichspräsident Friedrich Ebert weichen zunächst nach Dresden, später nach Stuttgart aus, nachdem die Mehrzahl der Offiziere militärischen Widerstand abgelehnt hatte. Aus Protest gegen den Kapp-Putsch befolgen 12 Mio. Beschäftigte im Deutschen Reich einen Aufruf zum Generalstreik, der von MSPD, USPD, KPD und Deutschem Gewerkschaftsbund verbreitet wurde. Am 17. März bricht der Putsch zusammen. Der Generalstreik wird nicht sofort abgebrochen. Die Gewerkschaften fordern Zusagen, u.a. um ihre Forderungen nach mehr Demokratie in Staat und Gesellschaft sowie einem Ausbau der Sozialgesetzgebung zu verstärken.
Ruhraufstand: Im Rahmen des Kapp-Putsches und des anschließenden Generalstreiks kommt es im rheinisch-westfälischen Industriebezirk zu einem ausgedehnten Aufstand sozialistischer, syndikalistischer und kommunistischer Arbeiter gegen die gesellschaftliche und politische Entwicklung im Deutschen Reich. Mit ihren Zielen knüpfen die Aufständischen an die Ideale und Hoffnungen der Novemberrevolution von 1918 an, die sie angesichts der Politik der Reichsregierung und des anhaltenden Einflusses rechtsextremer Kreise verraten glauben. Seit dem 15. März kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Am 17. März wird in Dortmund das wegen seiner Brutalität bei der Bevölkerung verhasste Freikorps Lichtschlag von der aus Arbeitern gebildeten Roten Armee vernichtend geschlagen. Im April schlagen Reichswehrtruppen den Ruhraufstand brutal nieder. Am 3. April findet in Bottrop das letzte regelrechte Gefecht zwischen Teilen der Roten Armee und Freikorpstruppen statt.
Reparationen: Ein Jahr nach Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrags wird am 5. Juli im belgischen Spa eine internationale Konferenz zur Frage der Ausführung des am 10. Januar in Kraft getretenen Vertrags eröffnet. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stehen u.a. die deutsche Entwaffnung und die Reparationszahlungen.
NSDAP-Programm: Im Münchener Hofbräuhaus hält die rechtsgerichtete Deutsche Arbeiterpartei (DAP) ihre erste große Versammlung ab. Sitzungsleiter Adolf Hitler stellt den rd. 2000 Besuchern das neue 25-Punkte-Programm vor. Das Programm der DAP, die sich wenig später in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenennt, enthält nationale und sozialrevolutionäre Forderungen auf der Grundlage einer völkisch-antisemitischen »Weltanschauung«.
Stinnes-Konzern: der deutsche Industrielle Hugo Stinnes erwirbt über den Berliner Bankier und Großspekulanten Hugo Herzfeld am 1. Oktober die Aktienmehrheit an dem Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation AG. Gleichzeitig bildet er die Siemens-Rheinelbe-Schuckert-Union (SRSU). Damit beginnt Stinnes den Ausbau seines Konzerns, der sich in den 20er Jahren zu einer der größten deutschen Unternehmensgruppe entwickelt.
Mit den Firmenzusammenschlüssen verbunden ist eine enorme Konzentration politischer und wirtschaftlicher Macht. Mit seinen rd. 300 000 Arbeitern ist Stinnes für den Lebensunterhalt von etwa 1 Mio. Menschen verantwortlich. Außerdem liefert er annähernd 20% der Kohleförderung im Deutschen Reich und verfügt über einen fast ebenso großen Anteil an der Eisenproduktion.
Der 1870 in Mülheim geborene Stinnes, der bereits vor dem Weltkrieg zu den bedeutendsten deutschen Montanindustriellen gehörte, nutzt seine Macht auch politisch. Er zählte zu den Finanziers der rechtsextremen Nationalen Vereinigung, die ideologisch den Kapp-Putschisten nahesteht. Bereits 1919 war er in die rechtsliberale DVP eingetreten. Obwohl dort in seiner Rolle als machtpolitisch agierender Großindustrieller umstritten, erhielt er bei den Reichstagswahlen 1920 ein Mandat als Abgeordneter. Über die DVP setzt er seinen Einfluss im Sinn einer wirtschaftsfreundlichen Regierungspolitik ein, u.a. bei der Besetzung der Ministerien im Kabinett von Konstantin Fehrenbach.