Glanzvolle Traumhochzeit in Persien
Teheran, Montag, 12. Februar 1951
Ein weltweit beachtetes gesellschaftliches Ereignis ist die Märchenhochzeit des Schahs von Persien mit Soraya.
Im prunkvoll geschmückten Elfenbeinsaal des königlichen Marmorpalastes schließen der persische Schah Mohammad Resa Pahlawi und die deutschstämmige Soraya Esfandiary Bakhtiary die Ehe.
Soraya, zu deutsch »Siebengestirn«,
trägt während der Trauung ein Dior-Kleid aus glänzendem Silberlamee. Drei Wochen arbeiteten Mitarbeiter des Modeschöpfers an der Hochzeitsrobe. Eine 10 m lange Schleppe aus weißem Tüll, besetzt mit 900 000 Goldkörnern, 20 000 mattrosa Marabufedern und 6000 Diamanten zieren zudem das prachtvolle Gewand.
Schah Resa hat sich für die Trauung eine Galauniform mit goldenen Schulterklappen fertigen lassen. Die »Traumhochzeit« findet nach muslimischem Ritus statt. Allerdings verspätet sich die Zeremonie um 30 Minuten: Soraya hat Mühe, mit ihrem 50 Pfund schweren Kleid das Schloss zu erreichen. Dass die Ehe einen glücklichen Verlauf nimmt, steht für die Muslime fest: In der Nacht vor der Trauung fällt in der iranischen Hauptstadt Schnee, nach alter Regel ein gutes Omen für Frischvermählte. 21 Salutschüsse künden dem Volk von der vollzogenen Trauungszeremonie. Wenige Stunden später hängen in Fenstern und provisorischen Schaukästen Teherans bereits die ersten offiziellen Hochzeitsfotos.
Aus aller Welt treffen kostbare Geschenke für das Brautpaar ein. US-Präsident Harry S. Truman schickt eine wertvolle Kristallvase, Georg VI. von Großbritannien schenkt dem Kaiserpaar einen kostbaren Silberleuchter, der sowjetische Staatschef Josef W. Stalin wartet mit einem Zobelmantel für die 18-jährige Braut auf. Der deutsche Bundespräsident Theodor Heuss sendet seine herzlichsten Grüße nach Teheran.
Schah Resa Pahlawi wünscht im Anschluss an die Trauung keine Bankette, Festlichkeiten und prunkvollen Bälle. Grund für die Zurückhaltung: Angesichts der kritischen Weltlage soll Geld gespart werden, das Wohlfahrtsorganisationen zugute kommen soll. Soraya, die am 22. Juni 1932 in Isfahan geboren wurde, stammt aus einer der angesehensten persischen Familien. Ihr Vater Fürst Khalil Esfandiari Bachtiari lernte als Student in Berlin seine Frau Eva Karl, eine in Moskau geborene Deutsche kennen.
Neben Soraya, die in Isfahan und Berlin aufwuchs, stammt Sohn Bijm aus dieser Ehe. Die jetzige persische Kaiserin, die fließend Deutsch, Englisch, Französisch und Persisch beherrscht, besuchte in Montreux und Lausanne Pensionate sowie das Internat Saint James in London. Im Oktober 1950 verlobte sie sich mit Resa Pahlawi.
Der Schah, 1919 geboren, kam 1941 auf den persischen Pfauenthron. In erster, kinderlos gebliebener Ehe heiratete er Prinzessin Fawzia, eine Schwester des späteren Königs Faruk I. von Ägypten.