Er wurde zu einem der überragenden Künstler dieser Region. Trotz einer Körpergrosse von 1.60 m wurde aus Joseph Schmidt in den 30er Jahren eine der schillerndsten Gesangsgrössen seiner Zeit. Er verkehrte in den vornehmsten Hotels von Europa und Amerika und begeisterte sein Publikum. Vom Publikum wurde Joseph Schmidt als“der deutsche Caruso”
gefeiert. Seine Platten verkaufen sich mit ungeahntem Erfolg und machen den kleinen Tenor zum meist gehörten Sänger seiner Zeit.
Seinen ersten gesanglichen Auftritt hatte Schmidt als klassischer Hebräer-Sänger in der Synagoge von Cernowitz. Im Alter von 20 ging er nach Berlin, wo er Piano und Gesang studierte. Von 1926 bis 1929 wurde er für den militärischen Dienst eingezogen und nach seiner Entlassung wurde er Kantor an der Synagoge von Cernowitz.
Seinen ersten Auftritt in einer Oper hatte er 1929. Mit dem Engagement an einem deutschen Radio begann Joseph Schmidts internationale Karriere. Im Film
“Ein Lied geht um die Welt”
(Deutschland 1933) gelang Joseph Schmidt der endgültige Durchbruch. 9. Mai 1933. zur Premiere des Films hatte sich Goebbels angesagt. Natürlich erfuhr auch Schmidt davon, der sich kurzerhand entschloss, der Premiere fernzubleiben. - Schlichte Angst vor Goebbels und eventuellen Repressalien veranlassten ihn zu diesem Verhalten. Nachdem absehbar war, das der Film ein Erfolg werden würde, wurde Schmidt von seinem Produzenten in den Ufa-Palast zitiert. Fast zum Ende der Vorstellung traf er ein, seine Angst vor Goebbels mühsam beherrschend. Doch diese stellte sich als unbegründet heraus, Goebbels war begeistert und blieb noch in seiner Loge sitzen, als Joseph Schmidt Lied ein Lied aus seinem Film wiedergab. Es sollte seine letzte große Huldigung auf deutschem Boden gewesen sein!
Sein kometenhafter Aufstieg kollidierte mit dem Aufkommen der Nazis. Am Höhepunkt seiner Karriere angelangt, sah er sich mit einem feindlichen Umfeld konfrontiert. Aus unbekannten Gründen lehnt Josef Schmidt 1933 ein Angebot der amerikanischen Firma NBC ab und wandert nach Wien aus. Als Jude musste er sich dem Zugriff der Nazis entziehen.
Noch mehr als der Rundfunk ist das Kino geeignet, die Popularität eines Künstlers zu fördern.
Schmidts erster Film, in dem er eine Hauptrolle spielt, den kleinwüchsigen Sänger Riccardo, der auf die große Liebe seines Lebens verzichten muß, weil diese zwar seine Stimme bewundert, ansonsten aber nur Augen für den gutaussehenden Freund des Sängers hat, trägt unverkennbar autobiographische Züge.
Dies sollte der Startschuss für eine verheißungsvolle Filmkarriere sein, die jedoch ebenfalls von den Nationalsozialisten zunichte gemacht wird. Eins der ersten Opfer der braunen Hetzpresse ist Joseph Schmidt. Seine weiteren Filme werden in Österreich gedreht und kommen in Deutschland nicht mehr zum Einsatz. Gleichwohl kann man aber seine Schallplatten, einschließlich der Neuaufnahmen, die ab November 1933 in Wien und London entstehen, noch bis 1938 in deutschen Schallplattengeschäften käuflich erwerben.
Mit der Vertreibung aus Deutschland beginnt Joseph Schmidts Stern allmählich zu sinken. Langsam zwar und kaum spürbar, aber der Niedergang ist nicht aufzuhalten. Der Sänger bereist die ganze Welt. In Holland ist er regelmäßig zu Gast, ebenso in London, wo er englischsprachige Versionen von zwei Filmen dreht ("My Song goes round the world" und "A Star Falls From Heaven").
Wien wird zur neuen künstlerische Heimat. Hier, in den Tobis-Sascha Ateliers in Rosenhügel, dreht er 1934 und 1935 noch drei Filme: "Wenn du jung bist gehört dir die Welt" und "Ein Stern fällt vom Himmel" (beide 1934) und als letzten schließlich "Heut´ ist der schönste Tag in meinem Leben" (1935).
Mit dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich beginnt für den Welttenor allerdings erneut die Flucht. Der Gedanke an eine Emigration in die Vereinigten Staaten ist ihm fremd: er möchte in der Nähe seiner Familie bleiben, die immer noch in Rumänien wohnt. Somit bleiben nur noch die Schweiz, Frankreich und die Beneluxländer.
1935 singt - der mittlerweile hochbezahlte - Joseph Schmidt zum ersten Mal in den USA und wird im damaligen Palästina gefeiert.
In dieser aufregenden Zeit wird dennoch einer von Joseph Schmidts größten Wünsche Wirklichkeit: am 20. Januar 1939 singt er im Brüsseler Opernhaus die Partie des Rodolfo in Puccinis "La Bohème". Die Kritiken sind freundlich wohlgesonnen und machen Mut für eine kleine Gastspielreise nach Lüttich, Gent, Brügge, Courtraus, Ostende und Verviers.
Amerika meldet sich wieder, denn die englischen Versionen zweier Schmidt-Filme
“My Song goes round the World”
und der 1936 in Wien uraufgeführte
“A Star fell from Heaven”
werden dort vom Publikum begeistert aufgenommen. “The tiny Man with the Great Voice”, wie ihn die Amerikaner bezeichnen, hat sein Debüt am 7. März 1937 im Rahmen eines “General Motors Concert”. Er beginnt eine große Gastspielreise durch die USA mit vier Konzerten in der Carnegie-Hall. Die Tournee wird zu einem Triumphzug und macht ihn nebenbei zum bestbezahltesten Sänger aller Zeiten (für einen Drei-Minuten-Auftritt 10.000 US-Dollar). Joseph Schmidt ist in den Staaten zum Superstar aufgestiegen. Aber das Heimweh nach Europa, seiner Mutter, die er regelmäßig besucht, ist größer als alle verlockenden Angebote. Mitte Februar 1938 kehrt er nach Wien zurück. In seinem letzten Film “Heut ist der schönste Tag in meinem Leben” (Österreich 1936) konnte Joseph Schmidt sein wohl schönstes Lied vortragen:
"Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben".
1940 werden die Benelux-Staaten von deutschen Truppen überrannt. In den Niederlanden findet der Jude Schmidt keine Beschäftigung mehr. Auf abenteuerlichen Wegen gelangt er schließlich zusammen mit einem befreundeten Ehepaar nach Nizza in Südfrankreich, wo sie zusammen eine provisorische Unterkunft finden.
Ein amerikanischer Künstleragent besorgt ein Ausreisevisum nach Kuba. Infolge des amerikanischen Kriegseintritts wird der der Schiffsverkehr kurz vor Schmidts Ausreise eingestellt.
Der portugiesische Konsul erteilt Schmidt im März 1942 ein Transitvisum nach Kuba, doch in diesem Fall verweigern wiederum die französischen Behörden die Reise und annullieren gleichzeitig seine Aufenthaltsgenehmigung für Nizza. Zweimal wird er an der Schweizer Grenze zurückgewiesen, dann gelingt ihm zusammen mit einigen anderen Verzweifelten die illegale Einreise über die grüne Grenze. Am 9. Oktober 1942 meldet sich Joseph Schmidt in Zürich polizeilich an.
Die Behörden verweigern dem Sänger jedoch die Arbeitsgenehmigung und weisen ihn in das Internierungslager Girenbad bei Zürich ein. Joseph Schmidt erkrankt, wird nach einiger Zeit in ein Krankenhaus eingewiesen, kurz darauf aber wieder als "Simulant" und "lagerfähig" (trotz der Intervention von Freunden) entlassen.
(es sollte die letzte Station in seinem Leben werden). Dort wartete er unter katastrophalen Umständen mit 350 anderen Juden auf den Asylentscheid.
Die Gefangenen wurden nebst den widrigen Umständen auch von einem "Hund" von Lagerleiter - wie Joseph Schmidt ihn selber in einem seiner letzten Briefe beschrieb - schikaniert. So verlangte dieser unter anderem, dass alle Gefangenen mitten in der Nacht im Pyjama draussen im Schnee anzutreten hatten.
Es war nur eine Frage der Zeit, bis Schmidt unter diesen Umständen eine Erkältung und Herzbeschwerden davontrug. Joseph Schmidt erlitt eine erste Herzattacke und wurde ins Lagerspital eingeliefert. Bald schon wurde er wieder aus dem Spital entlassen, seine Beschwerden als Fluchtversuch vor der Arbeit interpretiert. Er wurde gezwungen, Gräben auszuheben, eine zweite, tödliche Herzattacke folgte.
Am 16. November unternimmt der Sänger einen Spaziergang vom Lager aus in das nahe gelegene Restaurant "Waldegg". Die Wirtin ist freundlich und lässt ihn ein wenig ausruhen. Um 10.30 setzt Übelkeit ein, eilig wird der Lagerarzt gerufen. Um 11.10 stirbt der Sänger Joseph Schmidt an Herzversagen
Der Totenschein vermerkt: Montag, 16. November 1942. Schmidt, Joseph 38 Jahre, 8 Monate, 12 Tage, staatenlos.
Joseph Schmidt findet seine letzte Ruhestätte auf dem Israelitischen Friedhof Friesenberg in Zürich
Alle 350 Lagerinsassen nehmen Abschied von ihm. Obwohl nur 15 Mann die Erlaubnis haben, Schmidts Sarg auf einer kurzen Strecke zu begleiten, schließen sich diesen auch die restlichen Flüchtlinge an und geleiten den kleinen großen Mann auf seinem letzten Wege. Er wird schließlich auf dem Israelitischen Friedhof Unterer Friesenberg in Zürich bestattet. Wenige Menschen, darunter einige Kollegen des Züricher Schauspielhauses beziehungsweise des Stadttheaters wie Wolfgang Langhoff, Eugen Jensen oder Ernst Ginsberg erweisen ihm die letzte Ehre. Sein Grabstein enthält hebräische sowie deutsche Worte. Oberhalb des Davidsterns ist der Satz "Ein Stern fällt" eingemeißelt.
Als im Jahre 1947, auf Wunsch der Mutter des Verstorbenen, ein Rechtsanwalt die Hinterlassenschaft Joseph Schmidts sichtete, fand er bloß einen Koffer mit vergilbten Hemden und verschimmelten Schuhen, einen Siegelring und die goldene Uhr, die der einst gefeierte Tenor als Anerkennung von einer Plattenfirma erhielt.
Sein Name ist vielen älteren Menschen in Rumänien, aber auch in der Schweiz, noch heute ein Begriff.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges finden sich die Überlebenden der Familie Schmidt – darunter drei Kinder – in Rumänien, in Gura Humorolui, wieder. Mutter Sara bemüht sich vergeblich, eine Ausreisemöglichkeit in die Schweiz zu erlangen. Mit Unterstützung von Gertrud Ney-Nowotny , einer jungen Wienerin und Verehrerin des Kammersängers, bekommt Sara Schmidt eine Ausreisegenehmigung nach Österreich. Bevor sie die Reise zum Grab ihres Sohnes antreten kann, stirbt sie. Auf ihrem Grabstein im Friedhof von Gura Humorolui steht folgendes geschrieben:
"SARA SCHMIDT
Mutter des Kammersängers
JOSEPH SCHMIDT" gest. am 31./V.1950
Ein Lied geht um die Welt!
Ein Lied, das Euch gefällt!
Die Melodie erreicht die Sterne,
Jeder von uns hört sie so gerne!
Von Liebe singt das Lied,
Von Treue singt das Lied,
Und es wird nie verklingen,
Man wird es ewig singen.
Flieht auch die Zeit.
Das Lied bleibt in Ewigkeit