Zeit des Nationalsozialismus
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlor Lübke 1933 alle politischen Ämter. 1934 wurde er wegen angeblicher Korruptionsvorwürfe verhaftet und verbrachte rund 20 Monate in Untersuchungshaft. Nach seiner Freilassung arbeitete er im Bauwesen. Während des Zweiten Weltkriegs war er in einem Ingenieur- und Architekturbüro tätig, das unter anderem für staatliche Bauprojekte arbeitete. Seine Tätigkeit in dieser Zeit führte später zu politischen Kontroversen.
Neubeginn nach 1945
Nach dem Krieg trat Lübke der Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) bei. Er wurde Mitglied des nordrhein-westfälischen Landtags und war von 1947 bis 1952 Landwirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Anschließend wechselte er in die Bundespolitik und wurde 1953 Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Kabinett von Konrad Adenauer. In dieser Funktion setzte er sich für die Modernisierung der deutschen Landwirtschaft ein.
Bundespräsident (1959–1969)
Am 1. Juli 1959 wurde Heinrich Lübke als Nachfolger von Theodor
Heuss zum zweiten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland
gewählt. 1964 wurde er für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.
Während seiner Präsidentschaft setzte er sich besonders für:
die
internationale Entwicklungshilfe,
die
Bekämpfung des Hungers in der Welt,
die
Förderung junger Staaten in Afrika und Asien,
sowie die deutsche Wiedervereinigung
ein.
Lübke unternahm zahlreiche Auslandsreisen
und vertrat die Bundesrepublik in einer Zeit des Kalten Krieges und
des wirtschaftlichen Aufschwungs.
Späte Jahre und Rücktritt
In den letzten Jahren seiner Amtszeit geriet Lübke zunehmend unter Druck. Zum einen wurden Fragen zu seiner Tätigkeit während der NS-Zeit diskutiert, zum anderen machten sich gesundheitliche Probleme bemerkbar. Wiederholte Versprecher und Gedächtnisschwächen führten zu öffentlicher Kritik. Schließlich kündigte er 1968 seinen Rücktritt zum Ende der Amtszeit an. Sein Nachfolger wurde 1969 Gustav Heinemann.
Tod
Heinrich Lübke starb am 6. April 1972 im Alter von 77 Jahren in Bonn. Er wurde in seinem Heimatort Enkhausen beigesetzt.
Bedeutung
Heinrich Lübke war der zweite Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland und prägte das Amt über ein Jahrzehnt hinweg. Obwohl seine letzten Amtsjahre von Kontroversen überschattet wurden, gilt er als wichtiger Vertreter der Nachkriegsgeneration und als Förderer der Entwicklungshilfe und der internationalen Zusammenarbeit.